Michael Mattis

Im Interview mit Martin Schau, CEO der intension GmbH mit Sitz in Ostfildern

Im Interview mit Martin Schau, CEO der intension GmbH mit Sitz in Ostfildern

In einer Zeit, in der digitale Identitäten zur zentralen Sicherheitsfrage für Unternehmen werden, rückt ein Thema immer stärker in den Fokus: digitale Souveränität. Genau hier setzt das Interview mit Martin Schau an – einem der Köpfe hinter der intension GmbH, die sich als europäische Alternative zu etablierten Plattformen wie Okta oder Auth0 positioniert. 


Das Unternehmen aus Ostfildern bei Stuttgart steht für eine klare Mission: Unabhängigkeit, Transparenz und Kontrolle im Bereich Identity & Access Management (IAM). Mit einer offenen, auf Keycloak basierenden Architektur bietet intension eine leistungsstarke SSO- und Authentifizierungsplattform, die nicht nur vollständig DSGVO-konform ist, sondern auch konsequent auf Open Source setzt – ganz ohne Vendor Lock-in. Für Unternehmen bedeutet das: maximale Flexibilität bei gleichzeitig hoher Sicherheit. 


Ein entscheidender Vorteil liegt im Geschäftsmodell: Statt nutzerbasierter Abrechnungen (MAU-Kosten), die bei wachsender Nutzung schnell unübersichtlich werden, setzt intension auf planbare Kostenstrukturen. Kombiniert mit individueller Projektbegleitung entsteht ein Ansatz, der Technologie und partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe vereint.


Seit der Gründung im Jahr 1999 – initiiert von Martin Schau und vier Informatikstudenten der Universität Stuttgart – hat sich das Unternehmen zu einem etablierten Spezialisten mit über 25 Jahren Expertise entwickelt. Heute arbeiten rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter daran, Unternehmen bei der sicheren Digitalisierung ihrer Services zu unterstützen. Als Partner der Dualen Hochschule Baden-Württemberg verbindet intension zudem Praxisnähe mit Nachwuchsförderung. 


Im Interview wird Martin Schau nicht nur Einblicke in die technologische Ausrichtung und die Vorteile der Keycloak-basierten Lösungen geben – von „Keycloak as a Service“ über „Keycloak PLUS“ bis hin zu „easyCloak“ –, sondern auch persönliche Perspektiven einbringen: vom Jazz-Piano bis zum Wing-Foilen, vom Gründergeist bis zur strategischen Unternehmensführung. 


Freuen Sie sich auf ein Gespräch über die Zukunft digitaler Identitäten, europäische Werte in der IT und die Frage, warum echte Souveränität mehr ist als nur ein Buzzword. 


Silicon Valley Europe: Herr Schau, Sie positionieren sich mit der intension GmbH bewusst als europäische Alternative zu Lösungen wie Okta oder Auth0. Was machen Sie konkret anders – und warum ist das gerade jetzt so relevant? 


Martin Schau: Wir setzen auf Keycloak als Open-Source-Basis und geben Kunden volle Kontrolle: eigene Realms zur logischen Trennung von Identitätsräumen, beliebig viele Applikationen und Identity Provider, sowie eigene Themes und Extensions – ohne proprietäre Abhängigkeiten. 


Dazu kommt ein transparentes Preismodell, das sich nicht an Nutzerzahlen orientiert, sondern an der benötigten Performance – das macht Wachstum planbar. 


Viele IAM-Entscheidungen sind heute Sicherheits- und Betriebsentscheidungen. Updates, Verfügbarkeit und Betrieb werden mit steigender Nutzung komplex. Deshalb kombinieren wir unseren Keycloak Managed Service (Keycloak as a Service) mit individueller Projektunterstützung – etwa bei Integration, Migration und Anbindungen. 


Unser Ansatz ist: Open-Source-Freiheit erhalten, ohne den operativen Aufwand selbst tragen zu müssen. 


Silicon Valley Europe: Digitale Souveränität ist aktuell eines der meistdiskutierten Themen in der IT. Was bedeutet dieser Begriff für Sie konkret im Kontext von Identity & Access Management? 


Martin Schau: Digitale Souveränität bedeutet für uns: volle Kontrolle über Identitäten, Daten und Betrieb – technisch, organisatorisch und rechtlich.


Sie zeigt sich darin, ob ein Unternehmen jederzeit frei entscheiden kann, wo und wie seine Identitätsplattform betrieben wird. 


Silicon Valley Europe: Ihre Plattform ist vollständig DSGVO-konform und wird in Deutschland betrieben. Welche Vorteile ergeben sich daraus für Unternehmen – insbesondere im Vergleich zu internationalen Anbietern? 


Martin Schau: Kunden können Hosting und Datenregion gezielt steuern – z. B. über Betrieb in deutschen Rechenzentren oder anderen gewünschten Regionen. 


Zusätzlich bieten wir hochverfügbare Setups sowie SLA-gestützten Support durch unsere eigenen Experten. 


Gerade im IAM-Bereich zählen nicht nur Features, sondern vor allem nachweisbarer Betrieb – Sicherheit, Verfügbarkeit und klare Prozesse. 


Silicon Valley Europe: Sie setzen konsequent auf Open Source und vermeiden bewusst einen Vendor Lock-in. Warum ist dieser Ansatz aus Ihrer Sicht ein entscheidender Wettbewerbsvorteil?


Martin Schau: Open Source heißt: Open Source steht für Transparenz, Erweiterbarkeit und Portabilität – und damit echte Entscheidungsfreiheit. In unserem Modell bleiben Kunden vollständig auf Keycloak, mit vollem API-Zugriff sowie individuellen Erweiterungsmöglichkeiten. Gleichzeitig können sie flexibel entscheiden, ob sie ergänzende Leistungen wie Managed Service, Keycloak PLUS oder easyCloak nutzen möchten. 


Silicon Valley Europe: Ein spannender Punkt ist Ihr Preismodell ohne MAU-Kosten. Wie verändert diese Planbarkeit die Entscheidungsprozesse bei Ihren Kunden?


Martin Schau: Wir rechnen nicht pro Nutzer ab, sondern leistungsbasiert. Gerade bei B2B-Portalen oder CIAM-Szenarien sind Nutzerzahlen schwer vorhersehbar. Bei nutzerbasierten Modellen wird Wachstum schnell zum Kostenrisiko. Unser Ansatz schafft Planungssicherheit: Unternehmen können Adoption fördern, ohne bei jeder Skalierung Kostensteigerungen befürchten zu müssen. 


Silicon Valley Europe: Neben der Technologie betonen Sie auch die Projektbegleitung auf Augenhöhe. Wie unterscheidet sich Ihr Ansatz hier von klassischen Softwareanbietern? 


Martin Schau: Wir liefern nicht nur Software, sondern begleiten unsere Kunden bei Integration, Migration und Erweiterung – bis hin zu individuellen Extensions, Theming und Best Practices. IAM wird erst dann erfolgreich, wenn es im realen Betrieb funktioniert – nicht nur in der Demo. 


Silicon Valley Europe: Ihre Lösungen basieren auf Keycloak und umfassen Angebote wie „Keycloak as a Service“, „Keycloak PLUS“ und „easyCloak“. Für wen sind diese Lösungen besonders geeignet – und wie unterscheiden sie sich voneinander? 


Martin Schau: Keycloak as a Service: Für Unternehmen, die volle Kontrolle möchten, aber den Betrieb auslagern wollen.


Keycloak PLUS: Für komplexe Anforderungen im B2B-IAM-Bereich, z. B. mit erweiterten Funktionen wie Autorisierung, Audit, User Lifecycle und Organisationsstrukturen. 


easyCloak: Für Fachbereiche, die administrative Aufgaben intuitiv übernehmen möchten – ohne tiefes Keycloak-Know-how. 


Silicon Valley Europe: Sie bringen über 25 Jahre Erfahrung im Bereich IAM mit. Wie hat sich der Markt in dieser Zeit verändert – und wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Unternehmen? 


Martin Schau: Die Herausforderung ist heute nicht mehr nur Single Sign-on einzuführen, sondern Identitäten als zentrale Plattform zuverlässig zu betreiben. 


Für viele digitale Geschäftsprozesse ist IAM mittlerweile kritische Infrastruktur – mit Anforderungen an Sicherheit, Compliance und Verfügbarkeit. 


Silicon Valley Europe: Sie haben das Unternehmen bereits 1999 mitgegründet. Was hat Sie damals motiviert – und was treibt Sie heute noch an? 


Martin Schau: Unsere Vision war von Anfang an klar: eine digitale Welt, der die Menschen vertrauen können. Daraus entstand unsere Mission, die Digitalisierung mit sicherer und verlässlicher Software zu unterstützen. 


Diese Idee war bereits die Grundlage unserer ersten Projekte – und sie treibt uns bis heute an. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Arbeit einen echten Beitrag leisten, digitale Prozesse sicher und vertrauenswürdig zu gestalten. 


Silicon Valley Europe: Neben Ihrer Rolle als Geschäftsführer sind Sie auch privat vielseitig aktiv – vom Jazz-Piano bis zum Wing-Foilen. Wie schaffen Sie den Ausgleich zum unternehmerischen Alltag?


Martin Schau: Im Jazz lernt man, auf andere zu hören und flexibel zu reagieren – das hilft auch in Strategie und Führung.


Draußen in der Natur bin ich komplett im Moment. Das schafft Abstand und Klarheit. Danach treffe ich Entscheidungen oft strukturierter und mit einem erweiterten Blick auf die Gesamtsituation. 


Silicon Valley Europe: Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Welche Rolle wird Identity & Access Management in den nächsten fünf bis zehn Jahren spielen? 


Martin Schau: Wir sehen einen klaren Trend hin zu stärkeren und gleichzeitig benutzerfreundlichen Sicherheitsmechanismen – etwa Passkeys und Multi-FaktorAuthentifizierung.


IAM entwickelt sich zunehmend vom reinen Login-Thema zu einer zentralen Plattform für digitale Geschäftsmodelle. Partner, Kunden, Geräte und Services – alles basiert auf Identitäten und Zugriffssteuerung. 


Silicon Valley Europe: Und abschließend: Was möchten Sie Unternehmen mit auf den Weg geben, die sich heute mit der Absicherung ihrer digitalen Services beschäftigen? 


Martin Schau: Wenn Identitäten nicht sicher und zuverlässig betrieben werden, funktioniert der Geschäftsbetrieb nicht stabil – deshalb ist IAM heute eine Management-Entscheidung. Wichtig sind aus meiner Sicht mehrere Punkte: 

    • Betrieb früh mitdenken: Verfügbarkeit, Updates, Monitoring und klare Prozesse sind entscheidend. 

      • IAM als kritischen Bestandteil digitaler Geschäftsprozesse behandeln. 

        • Souveränität sicherstellen: durch Adminrechte, API-Zugriff, Erweiterbarkeit und flexible Hosting-Optionen. 

          • Kosten planbar gestalten: durch leistungsbasierte Modelle statt rein nutzerabhängiger Abrechnung.

            • Benutzerfreundlichkeit berücksichtigen: Self-Service und Delegation reduzieren Aufwand und beschleunigen Prozesse.

              • Auf professionelle Begleitung setzen: insbesondere bei Integration, Migration und Themen wie SCIM oder MFA, um Risiken und Projektlaufzeiten zu reduzieren.

              Silicon Valley Europe: Ganz herzlichen Dank für dieses wirklich spannende Interview in diesen bewegten Zeiten.