Interview mit Dr. Andreas Kohne und Nils Brechbühler

Im exklusiven Interview mit Silicon Valley Europe sprechen Dr. Andreas Kohne und Nils Brechbühler über die größten Hürden, die Kommunen bei der Digitalisierung bewältigen müssen. Themen wie die Missverständnisse um Digitalisierung als IT-Projekt, die Auswahl der richtigen Technologien und die Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen dabei im Fokus. Beide Experten beleuchten die Chancen und Risiken der digitalen Transformation und erläutern, wie eine zielgerichtete Umsetzung Kommunen nicht nur modernisiert, sondern auch effizienter und bürgerfreundlicher macht. Ein spannender Austausch über die Zukunft der digitalen Verwaltung!
Welche sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, die Kommunen aktuell bei der Digitalisierung haben?
Dr. Andreas Kohne: Digitalisierung wird oft als reines IT-Projekt verstanden. Häufig dabei werden Abläufe einfach digitalisiert, ohne sie erst einmal dafür fit zu machen. Außerdem werden oft diejenigen vergessen, die die Digitalisierung am meisten betrifft: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Veränderungen führen nicht selten zu Unsicherheiten und müssen daher erklärt und verständlich gemacht werden.
Nils Brechbühler: Dazu kommt die Unsicherheit bei der Auswahl und Implementierung der richtigen Technologien – es gibt oft so viele Optionen, dass es schwerfällt, die für die jeweilige Kommune passenden Lösungen zu finden. Denn neben technischen und finanziellen sind z.B. auch rechtliche und datenschutzbezogene Anforderungen zu beachten. Und die Implementierung ist keineswegs nur das Installieren einer IT-Lösung.
Aus welchem Grund beschäftigen sich Kommunen denn mit der Digitalisierung?
Nils Brechbühler: Grundsätzlich wird die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung
Außerdem ermöglichen digitalisierte Prozesse einen besseren und transparenteren Service für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen. Lösungen wie Onlinedienste oder KI-gestützte Chatbots automatisieren und beschleunigen die Kommunikation und vereinfachen Behördengänge. Kommunen können damit den Erwartungen an eine moderne Verwaltung gerecht werden.
Wie können Kommunen dabei unterstützt werden die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern?
Dr. Andreas Kohne: Neben den finanziellen Voraussetzungen und den rechtlichen, organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen brauchen Kommunen einen kompetenten Partner. Dieser muss sie mit Erfahrung und Pragmatismus unterstützen, Konzepte und Technologien erklären und gemeinsam mit ihnen aufkommende Hürden überwinden. Sie brauchen einen Partner, der nicht nur Strategien entwickelt, sondern auch umsetzt.
Welche Risiken entstehen, wenn Digitalisierungsprojekte nicht zielgerichtet umgesetzt werden?
Dr. Andreas Kohne: Es können hohe, unnötige Kosten entstehen und Anforderungen unerfüllt bleiben, wenn Technologien nicht nachvollziehbar und bedarfsgerecht ausgewählt werden. Falls digitale Lösungen nicht auf etablierte Prozesse passen, kommt es zu Ineffizienzen, es treten Fehler auf oder die Prozesse funktionieren mit dieser digitalen Lösung schlichtweg nicht.
Außerdem führen Veränderungen immer zu Verunsicherung und nicht selten entstehen Sorgen und Ängste bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Lösung hierfür ist, das Warum zu erklären und verständlich machen. Vielmehr kann es sinnvoll oder gar notwendig sein, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv in den Veränderungsprozess miteinzubeziehen.
Welche Schritte sollten Kommunen Ihrer Erfahrung nach unternehmen, um Digitalisierungsprojekte erfolgreich zu starten?
Nils Brechbühler: Zu Beginn sollte die Kommune eine umfassende und realistische Potenzialanalyse durchführen. Damit findet sie unter anderem die größten Chancen und auch Möglichkeiten für kleine, schnelle Erfolge („Quickwins“). Auf diese sollte sich die Kommune dann zuerst konzentrieren. Darüber hinaus sollten die Mitarbeiter frühzeitig eingebunden und regelmäßig geschult werden. Dazu muss ein Veränderungs- und Kommunikationsplan entworfen werden, der individuell auf die Kommune abgestimmt ist.
Welche Technologien oder Tools haben sich in Ihren Projekten als besonders effektiv für Kommunen erwiesen?
Nils Brechbühler: Das hängt natürlich nicht zuletzt von der Ausgangssituation der Kommune als auch von dem geplanten Ziel ab. Wir sehen, dass vor allem in drei Bereichen viel Potenzial steckt.
Viele Kommunen stehen vor der Frage, wie sie das Wissen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter digital erfassen, aufbereiten und bereitstellen können, damit zum Beispiel bei einem Personalwechsel die Einarbeitung möglichst effektiv durchgeführt werden kann.
Darüber hinaus bewegt viele Kommunen das Thema der digitalen Kommunikation und Kollaboration. Das geht weit über die klassische E-Mail hinaus. Da sprechen wir über Kommunikationsplattformen wie Microsoft Teams, die Verwendung von Cloud Computing oder auch das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten in Echtzeit.
Dr. Andreas Kohne: Schließlich ist auch das Thema Künstliche Intelligenz für Kommunen interessant und wichtig. Die Tatsache, dass kommunale Prozesse auf Daten und Informationen aufbauen und die Art der Tätigkeiten bieten viel Potenzial für Arbeitserleichterungen und Automatisierungen. Etwas, das im Kontext eines Personalmangels immer relevanter wird.